Legasthenie

Der schulische Umgang mit Lese-Rechtschreib-Schwäche

Handreichung "Die schulische Behandlung der Lese-Rechtschreib-Schwäche"

 

Das BMB (Bundesministerium für Bildung) bietet auf der Homepage schulpsychologie.at die Handreichung "Die schulische Behandlung der Lese-Rechtschreib-Schwäche" (2013) als Download an (Hier geht's zur Handreichung).

Auf dieser Seite findet man auch den Erlass zur LRS.

 

 

Hier folgt eine Zusammenfassung (wortident aus diesem pdf, das man von der Homepage des Landesschulrates für OÖ herunterladen kann) dieser Handreichung:

 

 

Die folgenden Empfehlungen (definiert nach den Kriterien des ICD-10; die Empfehlungen entstanden 2013 kooperativ zwischen der Leitung der Schulpsychologie OÖ und der "Arbeitsgruppe Lernstörungen" der Österreichischen Psychologenforums (Ö.P.F.), unterstützt vom Berufsverband akademischer Lese-Rechtschreibtherapeuten (BALDT) und dem OÖ Landesverband Legasthenie) können die Lektüre der oben genannte Texte nicht ersetzen. Sie sollen lediglich die erste Orientierung zu diesem Thema erleichtern.

 

Hilfestellungen im Sinne eines Nachteilsausgleichs durch die Pädagogen/-innen
Ein bis zwei Kinder pro Klasse sind durchschnittlich von Lese-/ Rechtschreibproblemen im Sinne dieser Störung betroffen, reflektiert man einen Verbreitungsgrad bei 4 bis 9 % der Kinder.

 

Internationale Vergleiche zeigen, dass diese Kinder besondere Maßnahmen benötigen, damit eine erfolgreiche Bildungslaufbahn möglich wird. Je früher dieses Problem richtig erkannt und Unterstützungsmaßnahmen ergriffen werden, umso besser für die betroffenen Kinder. Für Pädagoginnen/Pädagogen werden folgende Maßnahmen empfohlen:
 
Allgemein

  • Mündliche Prüfungen sind schriftlichen Überprüfungen vorzuziehen (Vokabeltests, schriftliche Tests in Realien, etc. durch mündliche Prüfungen ersetzen). Dies gilt unabhängig vom Schulfach.

  • Die Verwendung eines Computers sowie der Rechtschreibprüfung des Textverarbeitungsprogramms wird ab der Sekundarstufe 1 angeraten.

  • Als Kompensationsmöglichkeiten sind Referate, Projektarbeiten u.a. anzubieten, damit der Schüler/ die Schülerin schwache schriftliche Leistungen ausgleichen kann.

  • Zeitzugaben bei schriftlichen Aufgaben sind zu gewähren, um dem erhöhten Zeitaufwand beim Schreiben und Lesen gerecht zu werden. Angaben sind einfach und übersichtlich zu formulieren und strukturiert zu präsentieren. (Alternativen dazu sind auch individuell zwischen Lehrkraft und SchülerIn entwickel- und vereinbar, wie z.B. die auditive Präsentation der Angaben mittels mp3-Player und Kopfhörer u.v.a.m.)

  • Schriftliche Hausaufgaben sollen soweit reduziert werden, dass ein altersgerechter Zeitaufwand gewährleistet ist. Eine Kooperation mit den Eltern des betroffenen Kindes ist hierzu nötig. Eine Möglichkeit besteht darin, Hausaufgaben (zumindest teilweise) mündlich erbringen zu lassen.

  • Die Maßnahmen sind für das Fach Deutsch und analog für Fremdsprachen anwendbar.


Lesen: Spezielle Maßnahmen

  • Auf das laute Vorlesen vor der Klasse ist zu verzichten (es sei denn, es liegt eine freiwillige Meldung seitens des Schülers vor), um Misserfolgserlebnisse und Bloßstellungen vor der Klasse zu vermeiden.

  • Bei Leistungsüberprüfungen ist darauf zu achten, dass der eigentliche Lehrinhalt und nicht die Lesefertigkeit überprüft wird. Das Aufgabenpensum ist hierfür an die Bearbeitungszeit anzupassen. Schüler mit Leseschwäche sind durch die verlangsamte Lesegeschwindigkeit beim Lesen der Angabe im Nachteil, da die zur Verfügung stehende Zeit zur Bearbeitung der eigentlichen Aufgabe verkürzt ist. Ist ein Zeitlimit unumgänglich, so muss die Aufgabe für den betreffenden Schüler entsprechend gekürzt bzw. in vereinfachter Struktur dargeboten werden.

  • Eine Individualisierung bzw. Reduktion des Lesestoffes soll mit den Eltern und dem betroffenen Kind vereinbart werden. Möglichkeiten sind hierbei die Kürzung der Leselisten für den Schüler oder nach Möglichkeit der Ersatz durch Hörbücher, sodass der Schüler/ die Schülerin zum Wissen/Inhalt des Buches gelangen kann, ohne durch seine Schwäche einen unverhältnismäßigen Mehraufwand leisten zu müssen.

  • Lesehausaufgaben sollen in Art und Umfang dem individuellen Lesestand angepasst werden. Es ist wichtig, die Leseanforderungen so zu gestalten, dass das Lesen zwar regelmäßig geübt, jedoch nicht zur Belastung wird (evtl. Eltern um ein Lese-Protokoll ersuchen, das die Dauer und den Leseumfang festhält).
     

Rechtschreibung: Spezielle Maßnahmen

  • Die Rechtschreibleistung sollte nicht das ausschlaggebende Kriterium der Beurteilung bei schriftlichen Arbeiten sein. Für eine negative schriftliche Arbeit sollte zumindest ein weiteres Beurteilungskriterium für Schularbeiten negativ sein, wie etwa Inhalt, Ausdruck oder die Sprachrichtigkeit, um Demotivation zu vermeiden, da ja das Problem schülerInnenseitig nicht lösbar ist.

  • Die Art der Rechtschreibfehler ist nicht wesentlich – es gibt keine für Legasthenie typischen Rechtschreibfehler.

  • Verbesserungen von Rechtschreibfehlern sollen maßgeblich auf Wortebene stattfinden (nur das Wort/ die Phrase verbessern lassen).

  • Bei Vorliegen einer LRS können die PädagogInnen auch erlauben, dass Verbesserungen schriftlicher Arbeiten gänzlich ausgesetzt werden, um Überforderung und Demotivierung des Schülers/der Schülerin zu vermeiden.

 
 

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 Weiters können die bisherigen Veröffentlichungen des LSR f. OÖ und des BMUKK hier eingesehen werden:

 

2012: Die "Handreichung für den Bezirk Braunau zum Thema Lese-Rechtschreib-Schwäche" (auffindbar unter: http://www.eduhi.at/dl/Handreichung_Legasthenie100001100001.pdf)

 

2001: Der Erlass: A3-23-1/2-2001 vom 07.06.01 d. LSR f. OÖ: "Leistungsbeurteilung bei Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) bzw. Legasthenie" (auffindbar unter der Homepage des Landesschulrates f. OÖ, Rubrik "Erlässe" unter dem Stichwort "LRS" sowie unter der Homepage der Schulpsychologie, Rubrik "Infothek")


2001: Der Erlass: GZ 33.543/26-V/4(V/8) 2001 des BMUKK: "Grundlagen der schulischen Behandlung von Lese-Rechtschreibschwäche" (auffindbar unter: www.schulpsychologie.at/lernenleistung/lese-rechtschreibschwaeche/erlass)

 

 

 

Empfehlungen für Eltern

Empfehlungen für Eltern findet man ebenso auf der Homepage des Landesschulrates für OÖ (Quelle [pdf]):

 

Im Rahmen des Schulunterrichts werden alle vorhandenen Möglichkeiten ausgeschöpft, um Ihr Kind beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens bestmöglich zu unterstützen.

 

Hierzu berücksichtigt die Pädagogin/der Pädagoge die Schwächen des Kindes bei der Leistungsbeurteilung im Sinne des Empfehlungsschreibens der Schulpsychologie OÖ („Empfehlungen der Schulpsychologie für den Umgang mit Lese –Rechtschreibproblemen bei Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) bzw. Lese-Rechtschreibstörung/ Legasthenie2 ab der Sekundarstufe 1“). Diese Berücksichtigung stellt jedoch nur einen wichtigen Teil im Umgang mit der Lese-Rechtschreibschwäche dar.

 

Eine vorliegende Lese-Rechtschreibschwäche kann mehrere Lebensbereiche des Kindes und seiner Familie betreffen, zum Beispiel negative Lernerfahrungen, belastende Hausaufgabensituationen, emotionale Begleitprobleme und Aufmerksamkeitsdefizite. Deshalb empfehlen wir, dass sich Eltern bereits beim Wahrnehmen der Problematik um ein umfassendes Gutachten (klinischpsychologisch/medizinisch) über eine LRS bemühen, um rasch sinnvolle außerschulische therapeutische Maßnahmen setzen zu können.

 

Anlaufstellen für Diagnostik und Beratung finden Sie auf der Homepage des Oberösterreichischen Landesverbandes Legasthenie (www.ooell.at). Bei Fragen steht Ihnen gerne die Schulpsychologie Oberösterreich (www.schulpsychologie.at) zur Verfügung.


Die rechtzeitige Weitergabe eines Gutachtens über LRS an die (weiteführende) Schule hilft, Missverständnisse und Überforderungen des Schülers/ der Schülerin zu vermeiden – so z.B. beim Wechsel von der Volksschule in die Neue Mittelschule oder in eine AHS.

 

Die Motivation zum Lesen und Schreiben ist Motor für den Lernfortschritt. Folgende Möglichkeiten bestehen zur Förderung dieser Motivation für
a) das Lesen: dem Kind vorlesen; gemeinsames Lesen mit einem Erwachsenen; Unterscheidung zwischen Leseanlässen für die Verbesserung der Lesefertigkeiten und Leseanlässen, die das Interesse am Inhalt wecken und das freiwillige Lesen fördern und für
b) das Schreiben: Schreibanlässe suchen, die der Kommunikation dienen (Briefe, Notizen,...).

 

Das Führen eines Leseprotokolls sowie - nach Möglichkeit - Aufzeichnungen zu Übungseinheiten und Förderschwerpunkten beim Lesen und Rechtschreiben, helfen der Lehrperson Übungsfortschritte einzuschätzen.

 

Ein systematisches Training der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten bietet zusätzlich Hilfe in Ergänzung zu oben genannten Maßnahmen durch den Pädagogen im Rahmen des Schulunterrichts, um Verbesserungen der Symptomatik und der schulischen Situation zu erzielen. Eine Vernetzung von Seiten der Eltern mit den PädagogInnen bezüglich der angestrebten Fördermaßnahmen ist hilfreich.

 

Zusätzlich ist eine professionelle Unterstützung zu empfehlen:

Eine öffentlich zugängliche Liste von LRS-TherapeutInnen findet sich auf der Homepage des Berufsverbandes akademischer Lese-Rechtschreibtherapeuten unter: www.lrs-therapeuten.org

 

Weitere Unterstützung und Information finden Sie auch auf der Homepage des OÖ Landesverbandes Legasthenie unter: www.ooell.at